Kirche

Kirche Sachsendorf
Die Sachsendorfer Kirche ist das einzige, in Backstein errichtete spätmittelalterliche Gotteshaus im Oderbruch. Einer 1909 in der südöstlichen Ecke freigelegten Inschrift zufolge wurde sie kurz vor der Reformation von 1514 bis 1519 errichtet („Anno 1514 praesens aedificium inceptum et in 1519 finitum“). Damit ist diese Kirche eine der spätesten vorreformatorischen Gotteshäuser in der Mark Brandenburg, hat aber sicher einen Vorgängerbau gehabt.
Die auf einem Feldsteinsockel stehende Kirche bestand aus einem rechteckigen Langhaus, dem breiten Westturm, einem Vorbau vor dem Nordportal aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und der anscheinend gleichzeitig an der Ostseite angebauten Sakristei. Interessant ist die noch immer sichtbare farbliche Gliederung der Außenwände durch den Wechsel von hellroten Läufern und schwarz gesinterten Bindern - ein traditionelles Schmuckelement norddeutscher Backsteingotik.
Die Hauptfront des Turmes ist im unteren Stockwerk durch eine zweigeschossige Blendengliederung belebt. Über einem vermittelnden Ziegelgesims saß auf dem Turm eine quadratische Laterne aus verputztem Fachwerk und mehrfach geschweifter Haube.
In diesem Turm hingen ursprünglich drei Glocken, geliefert 1863 von der Glockengießerei Friedrich Gruhl aus Kleinwelka bei Bautzen. Die beiden größeren von ihnen wurden 1917 an die Heeresrohstoffverwaltung abgeliefert. Die kleinste ist mitsamt der Kirche im Frühjahr 1945 untergegangen. Erst 1957 gelang es der Kirchengemeinde, bei der Firma Schilling & Lattermann, Apolda, drei Eisenhartgussglocken herstellen zu lassen, die bis heute über den Ort schallen.
Anfang des 20.Jahrhunderts legte man an den Innenwänden einige Fresken frei, die einen Eindruck davon vermittelten, wie lebendig der Innenraum ursprünglich durch seine Ausmalung gewirkt haben muss. Von dem Wriezener Bildschnitzer Hildebrandt wurde 1598 ein hölzerner Altaraufsatz mit dem gebräuchlichen ikonographischen Programm der Reformationszeit aufgestellt. Emporen und Gemeindegestühl folgten einige Jahre später. Im Dreißigjährigen Krieg hat die Sachsendorfer Kirche anscheinend keine größeren Schäden erlitten. Eine Orgel war auch vorhanden. Sie sah wie ein historisierender Nachbau aus, wobei zurzeit nicht bekannt ist, von wem sie stammte.
Während einer barocken Umgestaltung nach 1737, als Sachsendorf Sitz eines königlichen Amtes geworden war, wurden Veränderungen am Turm vorgenommen, eine Orgelempore gebaut und das Westtor geschlossen. Auch im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts erlebte die Kirche verschiedene Veränderungen.
Eine volkskundliche Besonderheit war das magische Quadrat, das 1906 an einem der hölzernen Emporenpfeiler entdeckt wurde. Seine Zahlen ergaben addiert in alle Richtungen die Zahl 15. Erhalten geblieben ist der spätgotische Abendmahlskelch, der das Kriegsende nur deswegen über dauert hat, weil er vom damaligen Pfarrer Georg Dürr Anfang Februar 1945 im Pfarrgarten vergraben wurde.
Das alles fiel in den Frühjahrswochen des Jahres 1945 in Schutt und Asche, als deutsche Soldaten den Turm sprengten und damit das ganze Gebäude in Brand setzten. Von der prächtigen Kirche waren nur Trümmer geblieben und das Schicksal des Gotteshauses schien besiegelt. Mit ihrem Pfarrer Karl Liesert machte sich die Kirchengemeinde

aber ab 1949 daran, das Gotteshaus wieder aufzubauen. 1954 waren die Arbeiten soweit beendet, dass Gottesdienste gehalten und der weitere Verfall gestoppt werden konnte (Innutzungsnahme am 1. Advent 1954). Der Turm in seiner vollen Höhe ist angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen nicht wieder erstanden und trägt heute ein einfaches Pyramidendach. Dieses Dach musste 1997/98 erneuert werden und trägt seit 1998 ein neues Kreuz. Der östliche Giebel des Kirchenschiffs hat eine reiche Blendengliederung. Sie ist dreigeschossig und mit Vorhangbögen gestaltet
Das Innere der Sachsendorfer Kirche ist schlicht im Stil der 1950er Jahre ausgestattet. Auf dem gemauerten Altar steht ein relativ großes Kreuz, das aus Holz und Messing gearbeitet ist. Links vom Altar befindet sich die ebenfalls gemauerte, dreiseitige Kanzel. Auch die Taufe rechts vom Altar ist gemauert und vierseitig.
Gegenüber der Kirche steht das Pfarrhaus, das im Kern aus dem 18. Jahrhundert stammt. Hier fanden von 1945 bis 1954 die Gottesdienste statt. Seitdem Sachsendorf keine eigene Pfarrstelle mehr hat, wohnt in diesem Haus Pfarrer i. R. Christian Gehlsen, ein kirchlicher Ruheständler mit seiner Frau. Er unterstützt den zuständigen Pfarrer in Mallnow und hält so manchen Gottesdienst in der Sachsendorfer Kirche ab.



